Tipp: Alle Decks mit gesondert illustrierten Kleinen Arkana finden sich hier in der Deck-Datenbank.
Die Kleinen Arkana im Tarot sind das pulsierende Herz des Alltags, das Netz der Erfahrungen, das die Materie des Lebens durchdringt. Sie bestehen aus 56 Karten, die in vier Farben oder Elemente aufgeteilt sind: Stäbe, Kelche, Schwerter und Münzen (oder Scheiben). Jede Farbe repräsentiert eine andere Dimension der menschlichen Existenz – das Feuer der Tatkraft und Inspiration (Stäbe), das Wasser der Gefühle und Beziehungen (Kelche), die Luft der Gedanken und Konflikte (Schwerter) und die Erde des Materiellen und der Sicherheit (Münzen).
Kartenbilder – oder „Pip-Deck“?
Eine der großen Innovationen von Pamela Colman Smiths Tarot-Gestaltung war es, die Kleinen Arkana mit eigenständigen Illustrationen zu versehen. Lady Frieda Harris folgte ihr in diesem Entschluss mit ihrem Crowley-Harris-„Thoth“-Deck.
Viele Decks verzichten darauf und bilden jeweils lediglich die dem Kartenwert entsprechende Anzahl des Symbols ab – teils als bewusste Entscheidung, teils aus Gründen des Aufwands. Verfechter dieser Kartensets führen oft an, dass man mehr Intuition beim Lesen und Deuten braucht.
Decks, in denen die Kleinen Arkana nur z. B. 8 Stäbe oder 3 Schwerter zeigen, nennt man „pip decks“, vom englischen Begriff für die Augenzahl auf Würfeln oder Dominosteinen. Zu manchen Decks passt das, bei anderen würde man sich „sprechendere“ Illustrationen wünschen.
In manchen Decks finden sich auch vermischt Pip- und figürliche Karten. Sehen wir uns ein Beispiel an, die Sieben der Kelche:
Im Waite-Smith-Deck* betrachtet eine Person 7 Kelche, die verschiedene Verlockungen und Sehnsüchte illustrieren. Das Mystic Mondays-Tarot* stilisiert diese Darstellung und verändert ihre Anordnung, das Field-Tarot* abstrahiert gänzlich. (Links mit Asterisk sind Affiliate-Links.)

Im The Fountain-Tarot* sehen wir eine eher düstere Deutung – alle Kelche wirken leer. Und das Deviant Moon-Tarot* liefert eine ambivalente, überladene, aber überraschend wenig negative Deutung.

Die hiesige Deckdatenbank ist danach durchsuchbar: Hier finden sich
- alle Decks mit gesondert gedeuteten und/oder illustrierten Kleinen Arkana
- und hier alle mit reiner „Symbolanzahl“.
Abgrenzung zu den Großen Arkana
Im Gegensatz zu den Großen Arkana, die universelle Archetypen und Lebensstationen symbolisieren, spiegeln die Kleinen Arkana alltägliche Erlebnisse, Emotionen und Herausforderungen wider. Die Zahlenkarten von Ass bis Zehn erzählen Geschichten von Entwicklung, Fortschritt und Veränderung innerhalb jeder Farbe, während die Hofkarten – Page, Ritter, Königin und König – menschliche Persönlichkeitsaspekte und Dynamiken darstellen.
Zusammen eröffnen die Kleinen Arkana ein facettenreiches Bild der Realität und laden dazu ein, die Wechselwirkungen zwischen Geist, Seele, Körper und Umwelt zu reflektieren. Sie lehren uns, wie die feinen Verflechtungen unserer inneren und äußeren Welten uns leiten, stärken oder herausfordern.
Anmerkung zu den Hofkarten: Die Hofkarten der Kleinen Arkana werden je nach Tradition und Deck unterschiedlich bezeichnet. Gebräuchlich sind „Tochter, Sohn, Mutter, Vater“, „Page, Ritter, Königin, König“ (Waite-Smith) oder „Prinzessin, Prinz, Königin, Ritter“ (Crowley-Harris Thoth-Deck). Ein Problem liegt auf der Hand: Während bei Crowley der „Ritter“ die letzte Hofkarte darstellt, ist er bei Waite die zweite. Das führt, nicht nur im Deutschen, zu Verwirrung. Auf diesen Seiten wird daher das Familienbild bemüht: „Tochter, Sohn, Mutter, Vater“.